Die Psychophysik des Wohnens

Lässt sich das Wohlbefinden in einem energieeffizienten Haus wissenschaftlich quantifizieren? Die Wellbeing-Forschung des Wohnens steckt noch in den Kinderschuhen, neue Erkenntnisse sollen die sozialwissenschaftliche Begleitforschung von energieeffizienten Modellhäusern liefern. Subjektive Indikatoren für das Wohn-Wohlbefinden können damit erfasst und an die Architektur zurückgemeldet werden.

In einem Beitrag zur Methodik der Psychophysik des Wohnens skizziert Bernd Wegener in dem Band Aktivhaus. Das Grundlagenwerk. Vom Passivhaus zum Energieplushaus (M. Hegger, C. Fafflok, J. Hegger und I. Passig [Hrsg.], 2013) die Möglichkeiten, das Wohlbefinden des Wohnens zu operationalisieren. [Callwey Verlag. 288 Seiten. ISBN-Nr. 978-3-7667-1902-7. Preis: 120,00 Euro (inkl. ges. MwSt. und Versand). Bestellung direkt beim Verlag: http://www.callwey-shop.de/aktivhaus-das-grundlagenwerk.html].

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Masterplan Haus 2050

Das Buch „Masterplan Haus 2050“ von Thomas Sapper und Peter Neumann herausgegeben ist im Haus-Verlag Wandlitz erschienen. Es ist Lobbybuch und Streitschrift in einem. Es wendet sich gegen die falsche Zufriedenheit mit Häusern von gestern: Aktivhaus statt Passivhaus. [352 Seiten. ISBN-Nr. 978-3-9816756-0-3. Preis: 69,00 Euro (inkl. ges. MwSt. und Versand). Bestellung direkt beim Verlag: www.haus-2050.de/Buchbestellung.html].

Mit einem Interview mit Bernd Wegener und einem Beitrag von Moritz Fedkenheuer. Beides steht hier zum Herunterladen bereit.

Download: haus_2050_286-293

Ein Plusenergie-Studierendenwohnheim

Der für den Solar Decathlon in Versailles 2014 von den Fachgebieten Entwerfen und Gebäudetechnologie und Entwerfen und Energieeffizientes Bauen der TU Darmstadt entwickelte CUBITY-Wohnpavillon bietet modularen und nachhaltig gebauten Wohnraum für zwölf Personen auf einer Grundfläche von lediglich 16 mal 16 Metern.

Das räumliche Konzept des Wohnpavillons folgt dem „Haus-im-Haus“-Prinzip: Zwölf Wohnwürfel, die sogenannten „Cubes“, gruppieren sich in dem zweigeschossigen Gebäude um einen zentralen und großzügig angelegten Gemeinschaftsbereich.

Für Fertigung und Aufbau des Prototypen in Versailles zeichnete die Deutsche Fertighaus-Holding (DFH) verantwortlich, die das Projekt wesentlich finanzierte. Die DFH und TU Darmstadt beabsichtigen das Studierendenwohnheim im Frühjahr 2016 in Kooperation mit dem Wohnungsunternehmen „Nassauische Heimstätte Wohnstadt“ dauerhaft auf einem Grundstück in Frankfurt am Main aufzubauen und ab dem Sommersemester 2016 einem einjähriger Praxistest zu unterziehen. Für das sozialwissenschaftliche Monitoring sind Moritz Fedkenheuer und Bernd Wegener verantwortlich.

CUBITY erhielt im November 2015 den Deutschen Nachhaltigkeitspreis in der Sektion „Nachhaltiges Bauen“ der Stiftung Deutscher Nachhaltigkeitspreis e. V., Düsseldorf.

Download: Cubity_Nachhaltigskeitspreis.pdf

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Bestand vs. Neubau

Das gemeinsame Forschungsprojekt „LoCaL – Low Carbon Lifecycle“ der FH Aachen und der DFH Deutsche Fertighaus Holding AG soll herausstellen, welche Potenziale Bestandssanierungen für den zukünftigen Fertighaus-Wohnungsbau bieten. Dazu werden an baulich vergleichbaren Bestandsim- mobilien die baulichen Maßnahmen LowTec-Sanierung, HighTec-Sanierung, sowie Abbruch + Neubau durchgeführt, umfassend untersucht und einander gegenübergestellt – insbesondere im Hinblick auf die CO2-Bilanz und den Primärenergieaufwand während der gesamten Lebenszyklen der Gebäude. In diesem Zuge soll zudem ein innovatives, möglichst vollständig recyclebares Wandsystem entwickelt und angewendet werden.

Ein interdisziplinäres Team der Fachhochschule Aachen wird das Forschungsvorhaben im Auftrag der DFH AG integral bearbeiten. Die DFH AG hat bereits zwei Bestandsimmobilien in Aachen erworben, sowie ein Grundstück hinter dem Gebäude in der Schroufstr. 34a für die Neubauvariante. Der Abriss wird rechnerisch simuliert.

Nach der Fertigstellung der drei Bauvorhaben wird ein umfangreiches Monitoring im bewohnten Zustand durchgeführt. Durch eine geplante Rotation der Testfamilien nach jeweils einem Jahr wird die Ergebnisdichte erhöht, die subjektive Wahrnehmung der Wohnqualität vergleichbar gemacht und die oft schwer definierbare Auswirkung des Nutzerverhaltens auf die Gebäudeperformance besser eingegrenzt. Die Auswertungen fließen über die abschließenden Bewertungen und die Lebenszyklusanalysen der drei Projektvarianten in den Forschungsbericht ein. Da Projekt hat eine Gesamtlaufzeit von 6 Jahren. Das Monitoring und die sozialwissenschaftliche Betreuung liegt bei der SR&E.

Download: Projektbeschreibung

Ethik und Ästhetik – eine Diskussion

Es lag Zündstoff in der Luft der Österreichischen Botschaft in Berlin. Und das war durchaus gewollt. Schließlich ging es bei der hochkarätig besetzten Podiumsdiskussion um Grundwerte, wie Ethik, Moral und Nachhaltigkeit in Verbindung mit Design und Möbelherstellung. Themen, die nicht nur die Gemüter der geladenen Professoren, Designer, Unternehmer und Wissenschaftler auf dem Podium erhitzte, sondern auch bei den 70 Gästen im Publikum für kontroverse Debatten sorgte.

Unter der Headline „Ethik und Ästhetik – ein Luxusproblem?“ hatte der Verband der Österreichischen Möbelindustrie, in Kooperation mit der Handelsabteilung der Botschaft, engagierte Persönlichkeiten, wie u. a. Prof. Bernd Wegener von der Humboldt-Universität zu Berlin und Mag. Silvio Kirchmair, CEO der Umdasch Shopfitting Group, einem der ältesten und größten österreichischen Ladenbau-Unternehmen im Familienbesitz eingeladen. Selbstverständlich war auch Dr. Georg Emprechtinger, Vorsitzender der Österreichischen Möbelindustrie und CEO TEAM 7, vor Ort. Über die Vereinbarkeit von Design und Nachhaltigkeit bzw. der Verantwortung für einen Wertewandel diskutierten außerdem Produktdesigner Prof. Jacob Strobel von der Fakultät für Angewandte Kunst Schneeberg, die österreichische Modedesignerin Marina Hoermanseder und Dr. Günther Reifer, Gründer und Inhaber des Terra Institute. Durch die Debatte führte Prof. Katrin Androschin von der Fachhochschule Dresden und Geschäftsführerin von Embassy.

Gleich nach der Begrüßung ging es ans Eingemachte: Gehören Ethik und Ästhetik überhaupt zusammen? Für Prof. Wegener von der Humboldt-Universität unter Berufung auf Kant auf keinen Fall. „Ethik und Ästhetik haben nichts mit einander zu tun“ – heizte der Professor die Diskussion an. „Wenn das Schöne auf das Nützliche oder das Richtige reduziert würde, wäre es nicht mehr vorhanden. Es wäre nicht mehr das Schöne, sondern das Nützliche oder Gesollte“. Dr. Georg Emprechtinger hielt dagegen: „Ethik und Ästhetik sind untrennbar miteinander verbunden!“, lautete sein klares Statement. „Wir wollen die Kunden von unseren Produkten überzeugen. Nachhaltigkeit soll Spaß machen, sexy sein“, provozierte der Branchenkenner. Auch für den Designer Prof. Jacob Strobel steht und fällt die Schönheit eines Produkts mit dem Material. „Eine schöne Form ist nicht länger schön, wenn sich das Material nicht gut anfühlt“, warf er beherzt in die Runde. Und sorgte für neuen Gesprächsstoff auf dem Podiums-Parkett. Wer kann, darf oder sollte sich schöne und unbedenkliche Produkte leisten? Wer trägt die Verantwortung für einen Wertewandel?

Schnell wurde deutlich, wie komplex das Thema ist. Faire und nachhaltige Produkte fordern ihren Preis, den allerdings nicht alle bezahlen können. Haben also Low-Cost-Anbieter ihre Berechtigung? Oder sollte Qualität mehr Wertschätzung erfahren? Was bringt eine Demokratisierung des Designs mit sich? Wie teuer dürfen „ökologisch“ und „fair“ sein? Die junge österreichische Modedesignerin Marina Hoermanseder, die in Berlin lebt und arbeitet, prangert die Zwänge der Industrie an. Sobald höhere Stückzahlen in Spiel kämen, sei es nicht machbar, komplett fair und in Europa zu produzieren. Sie ärgert sich, wenn Kundinnen fehlendes Verständnis für natürliche Materialeigenschaften zeigen: „Pflanzlich gegerbtes Leder ist in seiner Unregelmäßigkeit schön, dennoch wird meist absolute Glätte gewünscht, die nur chemisch zu haben ist.“ Politische Spielregeln, die verantwortliches Unternehmertum erleichtern, etwa über Steuern und möglichst globale Mindeststandards, wäre indes für Mag. Silvio Kirchmair, CEO der Umdasch Shopfitting Group, ein möglicher Lösungsansatz. Herstellernachweise und verbindliche Kriterien für ein Siegel wie „Made in Austria“ seien allerdings schwer zu realisieren, waren sich alle Experten auf dem Podium einig.

Dr. Günther Reifer, Gründer des Terra Instituts und Cradle to Cradle Consultant, hält eine Abkehr von gegenwärtigen Denkmustern auf Unternehmer- und Konsumentenseite für unausweichlich: „Die Kosten unverantwortlichen Handelns tragen alle, wir müssen von einer Green Economy zu einer Blue Economy kommen. Geld kann dabei wie ein Stimmzettel eingesetzt werden. Mit meiner Kaufentscheidung bestimme ich, welche Ethik sich durchsetzt.“

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